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	<title>Magazin 100visions &#187; Eric Malitzke » Flughafen Leipzig/Halle</title>
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		<title>Eric Malitzke: &#8220;Wir werden irgendwann den Luxus nicht mehr erkennen&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Mar 2008 19:33:19 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Eric Malitzke » Flughafen Leipzig/Halle]]></category>

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Eric Malitzke ist mit erst 34 Jahren der j&#252;ngste Flughafenchef Deutschlands und bringt als Gesch&#228;ftsf&#252;hrer frischen Wind in den Airport Leipzig/Halle. Der geb&#252;rtige Frankfurter spricht in einem ausf&#252;hrlichen Interview mit Kay A. Sch&#246;newerk und Annegret Freitag &#252;ber modernes Nomadentum, das Mobilit&#228;tsverst&#228;ndnis von Comicfiguren und die zuk&#252;nftigen Auswirkungen chinesischer Reisep&#228;sse. Der 
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<p><img src="http://www.100visions.de/wp-content/uploads/2008/03/sshot-862a.jpg" alt="sshot-862a.jpg" /></p>
<p><strong>Eric Malitzke</strong> ist mit erst 34 Jahren der j&#252;ngste Flughafenchef Deutschlands und bringt als Gesch&#228;ftsf&#252;hrer frischen Wind in den Airport Leipzig/Halle. Der geb&#252;rtige Frankfurter spricht in einem ausf&#252;hrlichen Interview mit <a href="http://www.xing.com/profile/KayA_Schoenewerk" target="_blank">Kay A. Sch&#246;newerk</a> und <a href="http://www.xing.com/profile/AnnegretJ_Freitag" target="_blank">Annegret Freitag</a> &#252;ber <em>modernes Nomadentum</em>, das <em>Mobilit&#228;tsverst&#228;ndnis von Comicfiguren</em> und die zuk&#252;nftigen <em>Auswirkungen chinesischer Reisep&#228;sse</em>. Der <span id="more-21"></span></p>
<p><em>Herr Malitzke, mit welchem Verkehrsmittel sind Sie heute zum Interview gekommen?</em> Nur mein Auto.</p>
<p><em>Bewegen Sie sich generell lieber zu ebener Erde fort – oder in der Luft?</em> Ich bin ein Flugzeugnarr. Die Materie interessiert mich und fasziniert mich. Ich mag die Vorstellung, in einer Metallr&#246;hre zu sitzen und mit fast tausend Kilometern pro Stunde durch die Luft geschossen zu werden. Ich k&#246;nnte mich auch f&#252;r nichts anderes begeistern als f&#252;r Flugzeuge, Autos, Schiffe und vielleicht noch die Bahn. Die Faszination – gerade beim Flugzeug – ist so unheimlich gro&#223;.</p>
<p><em>Macht Ihnen die immer st&#228;rker werdende Abh&#228;ngigkeit von Technik Angst?</em> Es ist wie im Stra&#223;enverkehr: Die Hauptfehlerquelle ist der Mensch, nicht die Technik. Im Auto haben die Menschen das subjektive Empfinden, dass sie die Technik unter Kontrolle h&#228;tten. Was ja durch Bedienen von Gaspedal und Bremse durchaus der Wahrheit entspricht. Aber tats&#228;chlich bin ich von so vielen anderen Verkehrsteilnehmern abh&#228;ngig. Die gr&#246;&#223;te Gefahr beim Fliegen ist der Weg mit dem Auto zum Flughafen. Das Flugzeug ist und bleibt das sicherste Verkehrsmittel.</p>
<p><em>Gab es schon mal einen Zeitpunkt, an dem Sie nicht wussten, in welcher Stadt Sie gerade waren? </em>In einem fr&#252;heren Job ist mir das passiert. Da war ich so viel unterwegs, dass ich teilweise gar nicht mehr wusste, in welcher Zeitzone ich gerade war.</p>
<p><em>Sind die Menschen daf&#252;r geschaffen, zuk&#252;nftig wie moderne Nomaden zu leben, st&#228;ndig mobil sein zu m&#252;ssen?</em> Es gibt keine starre Festlegung, was dem Menschen liegt oder nicht. Wir zeichnen uns dadurch aus, dass wir anpassungsf&#228;hig sind. Denken Sie mal daran, in welchen Dimensionen es in den 50er Jahren pl&#246;tzlich die Fliegerei der Menschheit erm&#246;glicht hat, andere Kulturen kennen zu lernen. Es war pl&#246;tzlich nicht mehr lebensgef&#228;hrlich, nach S&#252;damerika zu reisen. Es ist eine ungeheure Faszination, sich neben den eigenen Mikrokosmos zu stellen – wenn man 2.000 Kilometer weit weg ist.</p>
<p><em>Wie wichtig sind heute pers&#246;nliche Wurzeln f&#252;r Sie?</em> Wir brauchen eine starke Verwurzelung, um die Entwicklungen auszuhalten. Das trifft weniger auf jemanden wie mich zu, der keine famili&#228;ren Verpflichtungen hat und viel unterwegs ist. Der typische Handelsreisende aber, oder der, der aus beruflichen Gr&#252;nden gezwungen ist, seinen Lebensmittelpunkt oft zu verlagern, f&#252;r den sind Wurzeln wichtig. Das ist ein qualitativer Unterschied. Die Notwendigkeit, flexibel, anpassungsf&#228;hig, zu jeder Zeit verst&#228;ndnisvoll, Familienvater zu sein und sein Wertesystem st&#228;ndig weiter zu pr&#228;gen. Da sind Wurzeln ein entscheidender Punkt, ohne die geht es nicht.</p>
<p><em>Ist das eine Frage der Geographie?</em> Ich bin der &#220;berzeugung, dass die Familie Hauptbestandteil bleibt – sie ist das Zuhause. Ich komme aus Frankfurt, lebe seit &#252;ber zwei Jahren hier, bin ein stolzer und begeisterter Neu-Leipziger – aber ich habe Freunde im Rhein-Main-Gebiet. Und manchmal auch Heimweh. Nach Menschen so wie auch nach bestimmten &#246;rtlichen Gegebenheiten.</p>
<p><em>Wachsen Ihre Wurzeln jetzt auch in den Leipziger Boden?</em> Es ist ein gutes Gef&#252;hl, sich eine zweite Heimat zu erkunden. Hier ist es sch&#246;n, also wurzele ich auch hier.</p>
<p><em>Egal ob in Leipzig oder in Frankfurt: Die Treib-stoffpreise wachsen gerade ins Unermessliche. Bedeutet Mobilit&#228;t zuk&#252;nftig noch Freiheit?</em> Die Mobilit&#228;t wird ihren Weg finden, weil eben auf Grund unserer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Struktur dies nicht nur eine Preisfrage ist. Das w&#252;rde das weltwirtschaftliche &#246;konomische Prinzip ins Wanken bringen. Deshalb wird es nur eine M&#246;glichkeit geben. Und wenn der Leidensdruck gro&#223; genug ist, dann wird irgendwann der Wandel im Bereich der Energietr&#228;ger kommen. Die Mobilit&#228;t wird durch den Kostenfaktor nie eingeschr&#228;nkt werden.</p>
<p><em>Achten Sie auch im privaten Umfeld auf die Umwelt?</em> Mein Auto ist ein Diesel, der – trotz aller Ru&#223;partikeldiskussionen – zumindest sparsam mit Erd&#246;l umgeht. Ich fahre auch viel Fahrrad. Aber leider gibt es in der Stadt kaum Orte, wo man es stehen lassen kann. Sonst brauchen Sie schnell ein neues.</p>
<p><em>Wie stehen Sie zu &#214;kosteuern?</em> Das Problem &#214;kosteuer ist kein Grundsatzproblem, sondern ein Budgetproblem. Welchem Haushaltstitel ich eine Einnahmeseite als Staat gebe, ist doch heute fast unerheblich. Mit einer &#214;kosteuer wird nicht zweckgebunden etwas f&#252;r die Natur getan, sondern sie wird beispielsweise f&#252;rs Sozialsystem genutzt. Wie der Titel der jeweiligen Steuer ist, ist damit eigentlich egal. Sicher gilt f&#252;r alle Steuern, dass sie f&#252;r bestimmte Branchen oder Industriezweige oder Dienstleistungszweige im internationalen Vergleich zus&#228;tzlich das &#220;berleben im internationalen Wettbewerb schwer macht. Wir werden uns mehr mit der Ausgabenseite des Staates besch&#228;ftigen m&#252;ssen, weil Sie auch als Unternehmer die Verkaufspreise nicht ins Unermessliche treiben k&#246;nnen, um ihren Betrieb doch noch kostendeckend zu fahren. Irgendwann m&#252;ssen Sie sich etwas anderes &#252;berlegen. Sie k&#246;nnen bei der demographischen Entwicklung auch nicht die anfallenden Fixkosten auf immer weniger Produkte verteilen.</p>
<p><em>Wir leben im Zeitalter der Individualisierung, wie schl&#228;gt sich das auf die Mobilit&#228;t in unserer Zunkunft nieder? </em>Mobilit&#228;t erm&#246;glicht diese Individualisierung zu einem gro&#223;en Teil. Das weiss jeder, der mit 18 sein erstes Auto mit dem Schl&#252;ssel aufschlie&#223;t, sich reinsetzt und pl&#246;tzlich merkt, wie er selbst bestimmen kann, wann er von A nach B reist. Zu jeder Uhrzeit fahren, ohne nass zu werden. Das betrifft alle Verkehrsmittel und tr&#228;gt zur Individualisierung der Pers&#246;nlichkeit erheblich bei.</p>
<p><em>Ein sicherer Trend der Zukunft ist auch das steigende Durchschnittsalter. Was hat das f&#252;r Folgen f&#252;r das Reisen?</em> Die Lebenserwartung nimmt tendenziell immer weiter zu, was vielleicht auch irgendwann zu einer ethischen Diskussion f&#252;hren k&#246;nnte, ob es &#252;berhaupt w&#252;nschenswert ist. Die Lebenserwartung wird h&#246;her, das zur Verf&#252;gung stehende Einkommen scheint zumindestens im Moment noch halbwegs stabil zu sein, und ich glaube, dass die Menschen nach dem Lebensabschnitt Arbeit nat&#252;rlich mit ihrem Leben noch etwas anfangen wollen. Reisen ist durch die angesprochene Individualisierung und das Massenangebot sehr g&#252;nstig geworden. So glaube ich schon, dass Menschen, die vital in den Ruhestand gehen, verst&#228;rkt reisen werden. Dabei wird f&#252;r diese Zielgruppe auch der Aspekt der Bequemlichkeit eine gro&#223;e Rolle spielen, eben weil sie in dem hohen Alter schlecht mit Rucksack und Fahrrad unterwegs sein k&#246;nnen. Sie wollen mehr Service haben, einen Service, bei dem Sie von zu Hause die Koffer abgeholt und im Urlaubshotelzimmer angeliefert bekommen. Deshalb wird sich die Reisewelt mit bestimmten Produkten darauf einstellen m&#252;ssen.</p>
<p><em>Verlieren wir durch die gestiegene Mobilit&#228;t den Respekt vor anderen L&#228;ndern?</em> Der Aspekt, eine andere Kultur kennen zu lernen, ist schon seit Jahrzehnten in den Hintergrund getreten. Wenn Sie in das eine oder andere gro&#223;e Hotel gehen, vielleicht noch in ein durch deutsche Reisende hoch frequentiertes Gebiet, dann stellen Sie fest, dass so viel wie m&#246;glich den heimischen Zust&#228;nden angepasst ist. Nur mit dem Unterschied, das die Sonnenscheindauer pro Tag eine andere ist.</p>
<p><em>Das reicht den Menschen?</em> Es gibt viele, denen das mehr als genug ist.</p>
<p><em>Werden die Menschen mit zunehmender Mobilit&#228;t oberfl&#228;chlicher?</em> Wir werden irgendwann diesen Luxus, Fremdes zu erleben, nicht mehr als solchen erkennen. Andererseits werden die Eindr&#252;cke, die wir durch das Reisen sam-meln, vielf&#228;ltiger werden. Dies wird hoffentlich zur Umkehrung vom Oberfl&#228;chlichen ins Tiefgr&#252;ndige f&#252;hren. Wir erfahren Zusammenh&#228;nge, die meist nicht nur auf ein Staatsgebiet begrenzt, sondern mindestens von europ&#228;ischer Geltung sind. Das pr&#228;gt im positiven Sinne und man kann sich dadurch vielleicht &#252;ber das eine oder andere ein anderes Bild machen. Sich dessen bewusst zu sein, was das f&#252;r ein Luxus ist, wird sp&#228;testens nach der ersten oder zweiten Reise in den Hintergrund treten und aus dem Bewusstsein.</p>
<p><em>Wenn Sie Kinder h&#228;tten, wie w&#252;rden Sie diese in Richtung Mobilit&#228;t erziehen?</em> <em>M&#252;ssten die mit dem Fahrrad zur Schule fahren oder werden die mit dem Auto gebracht? </em>Da f&#228;llt mir ein wundersch&#246;ner Comic ein „Calvin and Hobbs“. Irgendwann sagt Calvin, ein kleiner Junge, zu seiner Mutter, er w&#252;rde gerne zu seinem Freund, sie soll ihn mal bitte hinkutschieren. Da guckt sie ihn an und sagt, der wohnt zwei Blocks weiter, wozu hat Gott die F&#252;&#223;e gemacht. Und da zuckt er mit den Schultern und sagt: „To work the gas pedal“. Ich finde, es ist nicht nur wichtig bei dem Thema Mobilit&#228;t, dass die Kids kennen lernen, was auch das echte Leben ist. Ich glaube, in dem Moment, wo man Kinder hat, muss man bestimmte Selbstverst&#228;ndlichkeiten auch wieder zur&#252;ckschrauben, um den Kindern mal was anderes zu zeigen. Und zur Schule zu laufen oder mit dem Fahrrad zu fahren, w&#252;rde ich in diesem Zusammenhang f&#252;r eine ganz wichtige Sache halten.</p>
<p><em>W&#252;rde eine Familiengr&#252;ndung Ihre Mobilit&#228;t einschr&#228;nken – weil man sesshaft wird?</em> Die Spontanit&#228;t vielleicht, nicht die Mobilit&#228;t. Die Planung wird wahrscheinlich dann eine Men-ge an Zeit mehr ben&#246;tigen und insoweit f&#228;llt vielleicht ein Anteil spontaner Aktionen dann weg.</p>
<p><em>Wie wird sich die Mobilit&#228;t im globalen Rahmen zuk&#252;nftig entwickeln?</em> Die Neugier des Menschen ist unersch&#246;pflich. Und Mobilit&#228;t ist ein gro&#223;er Bestandteil unserer Kultur, das wird auch in den n&#228;chsten Jahren zunehmen. Und es werden immer mehr Menschen unterwegs sein. Malen Sie sich nur mal aus, was passiert, wenn Milliarden Chinesen einen Rei-sepass bekommen und anfangen, ihrerseits in die Welt zu reisen. Oder ein Gro&#223;teil der Chinesen wird sicher ein Auto besitzen wollen – dann wird die Frage Mobilit&#228;t und Umwelt-schutz zu einem dr&#228;ngenden Thema werden. Da muss meines Erachtens in Zukunft sicher umgedacht werden.</p>
<p><em>Wie reisen Sie pers&#246;nlich?</em> Ich reise am liebsten ganz individuell. Vor wenigen Wochen bin ich zum ersten Mal in meinem Leben nach Mallorca geflogen – und bin dort mit meinem Mountainbike und einem Rucksack eine Woche durchs Gebirge gefahren. Das war wundersch&#246;n.</p>
<p><em>Wo m&#246;chten Sie Ihren Lebensabend verbringen?</em> Was ich mir vorstellen k&#246;nnte, w&#228;re zwischen Norditalien, S&#252;dfrankreich und Spanien – ein kleines Landhaus mit Olivenzucht.</p>
<p><em>Herr Malitzke, vielen Dank f&#252;r das Gespr&#228;ch.</em></p>
<p><font color="#ffffff">. </font></p>
<p>Interview: <em>Kay A. Sch&#246;newerk, Annegret Freitag (<a href="http://www.4imedia.com/" target="_blank">Agentur</a> 4iMEDIA; <a href="http://jamandchips.de/" target="_blank">Redaktion</a> J&amp;C);<br />
</em> Fotos: <em>Jeibmann Photographik / Vivendi 2007</em></p>
<p>a</p>
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