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Michael Heiss: “Zeit muss man verwenden, etwas Gutes zu tun!”

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Michael Heiss füllt bei der Siemens AG die Position des “Vice President for Knowledge, Innovation and Technology” für Siemens IT Solutions and Services aus. Im Interview mit 100visions.de-Redakteurin Tina Neundorf sprach er nicht nur über seine Arbeit, sondern auch über die Bedeutung von Zeit und Heimat in einer mobiler werdenen Gesellschaft – und von den Legosteinen, aus denen ein Unternehmen besteht.

Guten Tag, Herr Dr. Heiss! Haben Sie eigentlich Zeit für ein ausführliches Interview? Oh, wäre es schön, wieder einmal für etwas Zeit zu haben. “Sich Zeit für etwas nehmen” erlebe ich inzwischen als einen viel bewussteren Vorgang als früher und empfinde es als Freude und Luxus, sich für etwas Zeit zu nehmen, das nicht unbedingt erforderlich ist.

Welche Bedeutung hat Zeit für Sie und was wäre dann Ihrer Meinung nach Verschwendung von Zeit? Zeit ist eine kostbare Ressource. Zeit muss man verwenden, etwas Gutes zu tun, für die Familie, die Gesellschaft, das Unternehmen, aber auch für sich selbst. Zeit ist von Natur aus begrenzt. Daraus folgt, dass Verschwendung von Zeit etwas wäre, das weder Nutzen noch Freude bringt.

Was meinen Sie, muss der Job zum Lebensinhalt werden, um erfolgreich zu sein? Nein, er müsste nicht zum Lebensinhalt werden. Aber die Tendenz dazu steigt von Tag zu Tag. Es ist eine sehr kostbare Fähigkeit eines Menschens, sich die Work-Life-Balance zu erhalten. Das schöne ist, dass heute mehr Bewusstsein für Work-Life-Balance besteht und Unternehmen, wie auch Siemens eigene Programme dafür entwickeln.

Sind die Menschen aus ihrer Sicht dafür geschaffen zukünftig wie moderne Nomaden zu leben, ständig mobil sein zu müssen? Die Menschen, die ich kenne, sind es nicht. Moderne Technologien, insbesondere in der IT, erleichtern zwar die Mobilität, aber deswegen glaube ich noch nicht, dass der heutige Mensch an sich dafür geschaffen ist, keine feste Heimat zu haben. Vieles tut sich daher auch in der Informationstechnologie, um die geographisch verteilte Zusammenarbeit zu unterstützen. Also unterstützt IT auch „Globalisierung ohne Mobilität“. Ich habe beispielsweise bei uns im Unternehmen soeben ein Forschungsprojekt gestartet, das untersucht, wie man heutige und zukünftige Informationstechnologie zur Projektkommunikation in geographisch verteilten Entwicklungsprojekten einsetzt, um teure Missverständnisse erst gar nicht aufkommen zu lassen und um bei komplexeren Entscheidungen nicht unnötig Zeit durch suboptimale Abstimmprozesse zu verschwenden.

Erzählen Sie mir etwas über unlösbare Konflikte, die Sie in Ihrem Job schon erlebt haben. Spontan würde ich sagen, dass Konflikte immer lösbar sind, wenn alle Seiten sich bemühen, im Sinne des Gesamtsystems zu agieren. Eine meiner spannendsten Aufgaben ist derzeit, eine Post Merger Integration dadurch zu unterstützen, dass ich auf Expertenebene eine Wissensvernetzung einführe. Experten sind typischerweise unpolitisch und sind schnell bereit, mit anderen Experten ihres Fachgebietes zusammenzuarbeiten. Dadurch entstehen neue menschliche Verbindungen über die unterschiedlichen Firmenkulturen hinweg, die einen Vertrauensaufbau über die Grenzen hinaus bewirken. Das Vertrauen ist dann die Basis für eine reibungslose geschäftliche Zusammenarbeit und vermeidet Konflikte schon von Beginn an. Auch diese Prozesse werden durch Informationstechnologie gut unterstützt, wenn sie richtig eingesetzt wird.

Wie stehen Sie dann allgemein zu Moral im Geschäftsleben. Ist sie eine Voraussetzung oder eher ein Hemmschuh – für ein gutes Geschäft? Für mich ganz eindeutig eine Voraussetzung. Ich habe in meinem Berufsleben immer wieder erlebt, was für eine unglaubliche Kraft ein über eine gute Zusammenarbeit aufgebautes Vertrauen ausstrahlt. Es wird alles so viel einfacher. Dadurch kann man in weniger Zeit mehr Gutes machen – also ein Zeitgewinn.

Wenn Sie in zehn Jahren zurückblicken werden – worauf sollte Ihre Branche dann besonders stolz sein? IT wird eine der Schlüsselbranchen für Nachhaltigkeit sein. Wir nennen das “IT for Sustainability”: angefangen von stromverbrauchsoptimierten Rechenzentren und Desktops über virtuelle Kraftwerke, die eine bessere Einbindung von nachhaltigen Energiequellen ermöglichen, Telematik für weniger CO2-Ausstoß im Verkehr, geringere Strahlenbelastung in der Medizintechnik, bis zur Telemedizin, um auch in weniger gut versorgten Gebieten erstklassige medizinische Versorgung anbieten zu können, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Darüber hinaus ist die IT-Branche gefordert, immer mehr branchenspezifische Lösungen anzubieten, die zur Unterstützung der Geschäftsprozesse der jeweiligen Branche optimiert sind. Gleichzeitig wird die Interoperabilität zwischen verschiedenen Anwendungen und deren Usability vereinfacht werden.

Ein sicherer Trend der Zukunft ist auch das steigende Durchschnittsalter. Was denken Sie, welche Folgen dies im speziellen für Ihre Branche haben wird? Geschäftlich folgt daraus ein steigender IT-Bedarf im Health Care Bereich und für die Urbanisierung. In der Arbeitswelt wird die Folge sein, dass die Löhne über das Alter nicht immer nur steigen werden.

Teil II des Interviews folgt…


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