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	<title>Magazin 100visions &#187; Mobilität</title>
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	<description>Interview-Magazin für Meinungs- &#38; Zukunftsmacher</description>
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		<title>Andreas Giger: &#8220;Der wahre Wohnluxus der Zukunft &#8211; Raum, Ruhe und Stille&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Apr 2008 22:08:43 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Andreas Giger » Zukunfts-Philosoph]]></category>

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Nachdem wir hier vor wenigen Tagen unser Interview mit Eric Malitzke &#252;ber modernes Nomadentum und Mobilit&#228;tsverst&#228;ndnis ver&#246;ffentlich haben, fanden wir nunmehr eine interessante &#8220;Gegenposition&#8221; von Zukunftsforscher Andreas Giger: Der Schweizer Sozialwissenschaftler ver&#246;ffentlicht n&#228;mlich auf seiner Website ein Interview mit dem Titel &#8220;Mobilit&#228;t an sich ist kein erstrebenswertes Ziel mehr&#8220;.
Dort beantwortet er Fragen wie: &#8216;Kilometerhohe Wolkenkratzer, [...]]]></description>
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<p>Nachdem wir hier vor wenigen Tagen unser Interview mit <a href="http://www.100visions.de/mobilitaet/eric-malitzke-wir-werden-irgendwann-den-luxus-nicht-mehr-erkennen" target="_blank">Eric Malitzke</a> &#252;ber modernes Nomadentum und Mobilit&#228;tsverst&#228;ndnis ver&#246;ffentlich haben, fanden wir nunmehr eine interessante &#8220;Gegenposition&#8221; von Zukunftsforscher <strong>Andreas Giger</strong>: Der Schweizer Sozialwissenschaftler ver&#246;ffentlicht n&#228;mlich auf seiner Website ein Interview mit dem Titel &#8220;<a href="http://www.gigerheimat.ch/Worte/sz-wohnzukunft.html" target="_blank">Mobilit&#228;t an sich ist kein erstrebenswertes Ziel mehr</a>&#8220;.</p>
<p>Dort beantwortet er Fragen wie: &#8216;Kilometerhohe Wolkenkratzer, organische Erdh&#228;user &#8211; in welche Richtung wird sich das Wohnen tats&#228;chlich entwickeln?&#8217; oder &#8216;Was wird der wahre Wohnluxus der Zukunft sein?&#8217; Auf letztere Frage antwortete er &#252;brigens mit: &#8220;<em>&#8230;Raum, Ruhe und Stille.</em>&#8221; Mehr Antworten und mehr Fragen dazu gibt es <strong><a href="http://www.gigerheimat.ch/Worte/sz-wohnzukunft.html" target="_blank">hier</a></strong> im kompletten Interview mit Giger&#8230;</p>

<p>Quelle: <a target="blank" href="http://www.100visions.de">100visions.de</a> [All rights reserved]</p>
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		<title>Caterina Jolig: „Wer Angst vor dem Abstellgleis hat, ist selber schuld“</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Apr 2008 06:00:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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Der Name Saab steht f&#252;r Svenska Aeroplan Aktiebolaget – das Unternehmen wurde urspr&#252;nglich als Flugzeugfabrik zur Herstellung von Milit&#228;rmaschinen gegr&#252;ndet. Heute positioniert sich Saab als Anbieter f&#252;r Individualisten. Caterina Jolig, Saab-Chefin in Leipzig, spricht im zweiten Teil des gemeinsamen Interviews mit Kay A. Sch&#246;newerk und Annegret Freitag &#252;ber Verschwendung von Zeit, Robinson-Clubs – und Highspeed [...]]]></description>
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<p><img src="http://www.100visions.de/wp-content/uploads/2008/04/712.jpg" alt="712.jpg" width="485" height="352" /></p>
<p>Der Name Saab steht f&#252;r Svenska Aeroplan Aktiebolaget – das Unternehmen wurde urspr&#252;nglich als Flugzeugfabrik zur Herstellung von Milit&#228;rmaschinen gegr&#252;ndet. Heute positioniert sich Saab als Anbieter f&#252;r Individualisten. <strong>Caterina Jolig</strong>, Saab-Chefin in Leipzig, spricht im <em>zweiten Teil</em> <em>des gemeinsamen Interviews</em> mit <a href="http://www.jamandchips.de" target="_blank">Kay A. Sch&#246;newerk</a> und <a href="http://www.kesselhaus-blog.de" target="_blank">Annegret Freitag</a> &#252;ber Verschwendung von Zeit, Robinson-Clubs – und Highspeed als Lebensmotto. Und sie beantwortet die Frage, f&#252;r welchen Blick in die Zukunft sie Lebensjahre opfern w&#252;rde. <span id="more-27"></span></p>
<p><em>Was ist denn Zeitverschwendung f&#252;r Sie?</em> Ich verschwende keine Zeit. Ich weiss aber, was Sie meinen. F&#252;r mich w&#228;re Zeitverschwendung daher zum Beispiel ein Urlaub, in dem ich etwas mache, was ich eigentlich gar nicht machen will. Ich denke da zum Beispiel an den Robinson-Club, wo mir vorgeschrieben wird, wie der Tag auszusehen hat und wo meine Aktivit&#228;ten gelenkt werden. Nein – ich will mich nicht lenken lassen. Das k&#246;nnte ich auch nicht genie&#223;en. Das w&#228;re beispielsweise in meinen Augen Zeitverschwendung. Auch wenn man mir eine Reise schenken w&#252;rde, in einem solchem Rahmen, w&#252;rde ich die nett ablehnen, weil es mir zu schade w&#228;re um die Zeit. Da w&#228;re ich wirklich lieber in Mecklenburg an der Seenplatte &#8211; und w&#252;rde ganz individuell Urlaub machen.</p>
<p><em>Sie beschreiben sich als Familienmensch. Aber der Trend in Deutschland geht ja eigentlich eher in eine andere Richtung, weg von Familie. Die These ist, dass wir uns weniger Kinder leisten, weil Kinder Zeit brauchen, die nicht in Geld verrechenbar ist.</em> Es gibt ja auch Eltern, die haben viel Zeit und es kommt trotzdem nicht das Ergebnis, das gew&#252;nscht ist. Also ich denke nicht, dass man sagen kann, wenn ich im Gesch&#228;ftlichen so engagiert bin, habe ich keine Zeit, Kinder gro&#223;zuziehen oder auf erfolgreiche Bahnen zu lenken. Das, glaube ich, ist falsch. Sie werden doppelt beansprucht, das ist richtig. Und da muss man eine L&#246;sung f&#252;r sich finden. Kinder sind wichtig. Und eine Familie nimmt ja nicht nur – sie gibt einem unheimlich viel. Wenn ich mein Kind gl&#252;cklich sehe, dann ist das f&#252;r mich auch ein sehr, sehr gutes Gef&#252;hl und das m&#246;chte ich auch nicht missen.</p>
<p><em>Nehmen Kinder Zeit anders wahr?</em> Das tun sie, weil sie ja auch in viel weniger Sachzw&#228;ngen stecken als Erwachsene. Wenn sie dem Kind aber die M&#246;glichkeit einr&#228;umen, an Ihrem Leben teilzunehmen, dann sieht das Kind auch, wie schnell die Zeit vergehen kann – also wie wenig Zeit „in der Welt der Erwachsenen“ da sein kann – oder nat&#252;rlich, wie viel Zeit da sein kann.</p>
<p><em>Sie sagten vorhin, dass Ihnen etwas gegen den Strich l&#228;uft, wenn andere Ihre Zeit bestimmen, wie im Robinson-Club. Was halten Sie denn von Ladenschlusszeiten?</em> Ich bin gegen Ladenschlusszeiten. Ich finde es zum Beispiel sehr sch&#246;n, wie es in Amerika gehandhabt wird, wo rund um die Uhr alles offen ist. F&#252;r die Mitarbeiter andererseits ist es nat&#252;rlich eine ganz schwierige Situation. Aber f&#252;r mich pers&#246;nlich steht der Kundenwunsch vor der Laden&#246;ffnungszeit. Soll hei&#223;en: Ich arbeite auch am Sonnabend. Ich arbeite auch am Sonntag. Aber ich kann das nicht von den Angestellten verlangen. Ich kann es mir w&#252;nschen. Also ich kann sagen: „Pass auf, wir haben eine Veranstaltung, die ist am Sonnabend und die geht bis Sonnabend Nacht. Es w&#228;re sch&#246;n, wenn Du das Team unterst&#252;tzen k&#246;nntest.“ Und da hat sich eigentlich noch keiner verwehrt mit der Argumentation, dass er am Wochenende nicht arbeitet.</p>
<p><em>Highspeed ist ja ein modernes Lebensmotto. K&#246;nnen Sie das nachvollziehen?</em> Highspeed, also st&#228;ndig am Limit agieren und leben, ist gef&#228;hrlich, wenn Sie nicht auf Ausgewogenheit achten. Im Privaten f&#228;nde ich dieses Highspeed-Leben noch nicht mal so schlimm – so nach dem Motto: Alles mitnehmen. Aber im Gesch&#228;ftsleben finde ich es gef&#228;hrlich. Das f&#252;hrt dazu, dass man vergisst, Luft zu holen, dass man gesundheitlich abbaut. Dann kommt zu schnell die Quittung. Das hei&#223;t, die Autobahn von Leipzig nach Hamburg sollte man nicht in vier Stunden durchrei&#223;en, sondern sich die Zeit nehmen, irgendwo in Ruhe Mittagessen zu gehen. Sowas ist wichtig – die kleinen Ruhepole im Alltag. Den Blick f&#252;r drau&#223;en haben, genie&#223;en.</p>
<p><em>Was sind denn Ihre Lieblingsrastst&#228;tten?</em> Landgasth&#246;fe. Also nicht Autobahnrastst&#228;tten, sondern von der Autobahnabfahrt runter und den n&#228;chsten Landgasthof ansteuern.</p>
<p><em>Sind Sie als Verkehrsteilnehmerin Rechtsfahrer?</em> Eher Mittelspur. Saabfahrer sind die, die nicht die linke Spur permanent blockieren. Die zeigen zwar gerne mal, was in ihrem Auto steckt, aber ziehen sich dann auch wieder auf ein gem&#252;tlicheres Tempo zur&#252;ck.</p>
<p><em>Gehen wir mal in eine g&#228;nzlich andere Richtung: Klassische Literatur, der alte Goethe: Faust und Mephisto haben einen Pakt geschlossen, dass Faust f&#252;r Mephistos Hilfe bei der Suche nach Erkenntnissen Lebensjahre opfert. Wof&#252;r w&#252;rden Sie denn Lebensjahre opfern? Wof&#252;r w&#252;rden Sie sagen, da gebe ich Zeit ab?</em> Ich w&#252;rde gerne mal in die Zukunft schauen. Es w&#252;rde mich brennend interessieren, was aus Deutschland in den n&#228;chsten Jahren wird. Nach Wahlen ist das immer so ein Innehalten, so eine Unsicherheit bei allen. Jeder scheint sich zu fragen: Was ist denn jetzt? Was passiert denn jetzt? Es w&#252;rde mich wirklich interessieren, wie es in zehn Jahren unserem Land geht. Ich w&#252;rde f&#252;r diese Erkenntnis zwei Jahre opfern, glaube ich.</p>
<p><em>Um zehn Jahre nach vorn zu schauen?</em> Ja, um zehn Jahre nach vorn zu schauen.</p>
<p><em>Aber wie sieht es mit der pers&#246;nlichen Zukunft aus: Irgendwann biegt Ihr Sohn ab und f&#228;hrt auf eine andere Autobahn. Haben Sie dann Angst vor dem Leben nach dem Highspeed? Was passiert, wenn Ihr Leben ruhiger wird? </em>Die Familie wird ruhiger, weil vielleicht das Kind nicht mehr da ist. Im Job – nun ja, irgendwann gibt man den vielleicht an einen Nachfolger ab. Aber ich habe keine Angst vor dem ber&#252;hmten Abstellgleis. Denn schlie&#223;lich habe ich die Entwicklung selbst in der Hand. Und die Bed&#252;rfnisse eines Menschen &#228;ndern sich ja mit der Zeit. Wichtig ist, dass man immer mit sich und dem Leben zufrieden ist. Das ist eigentlich mein Ziel. Und wer Angst hat vor dem Abstellgleis, der ist selbst schuld, das ist meine Meinung. Denn ich bin ganz allein verantwortlich f&#252;r das, was ich aus meinem Leben mache. Und dann bin ich eben auch selbst schuld, wenn ich etwas nicht mache, was ich eigentlich unbedingt realisieren m&#246;chte. Und ich pers&#246;nlich m&#246;chte keine Masse an W&#252;nschen mit mir herum tragen – sondern ich will sie umgesetzt haben. Und das habe ich bisher und deshalb bin ich auch zufrieden und schaue ohne Angst in die Zukunft. Aber wenn dann irgendwann der Punkt kommt, wo ich sage, es ist mir doch zu abenteuerlich, immer diese Experimente zu machen, dann kann ich ja langsam einen Gang runterschalten.</p>
<p><em>Vielen Dank f&#252;r das Gespr&#228;ch! </em></p>

<p>Quelle: <a target="blank" href="http://www.100visions.de">100visions.de</a> [All rights reserved]</p>
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		<title>Caterina Jolig: „Ich lasse mich nicht lenken – das w&#228;re Zeitverschwendung“</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Apr 2008 22:35:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Caterina Jolig » Saab Deutschland]]></category>

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Caterina Jolig, Saab-Chefin in Leipzig, spricht im Interview mit Kay A. Sch&#246;newerk und Annegret Freitag &#252;ber Umwege im Berufsleben, notwendige Blicke in den R&#252;ckspiegel – und die Bedeutung ganz pers&#246;nlicher Bremsman&#246;ver. Und sie beantwortet die Frage, ob wir nicht doch im Grunde alle Saab-Fahrer sind. Nachfolgend Teil 1 des Interviews &#8211; Fortsetzung folgt.
Frau Jolig, haben [...]]]></description>
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<p><img src="http://www.100visions.de/wp-content/uploads/2008/04/sshot-130-4702.jpg" alt="sshot-130-4702.jpg" /></p>
<p><strong>Caterina Jolig</strong>, Saab-Chefin in Leipzig, spricht im Interview mit <a href="http://www.4iMEDIA.com" target="_blank">Kay A. Sch&#246;newerk</a> und <a href="http://www.4iMEDIA.com/CP" target="_blank">Annegret Freitag</a> &#252;ber Umwege im Berufsleben, notwendige Blicke in den R&#252;ckspiegel – und die Bedeutung ganz pers&#246;nlicher Bremsman&#246;ver. Und sie beantwortet die Frage, ob wir nicht doch im Grunde alle <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Saab" target="_blank">Saab-Fahrer</a> sind. <em>Nachfolgend Teil 1 des Interviews &#8211; Fortsetzung folgt.</em><span id="more-26"></span></p>
<p><em>Frau Jolig, haben Sie eigentlich Zeit f&#252;r ein ausf&#252;hrliches Interview?</em> Die Zeit habe ich mir genommen.</p>
<p><em>Welche Bedeutung hat Zeit f&#252;r Sie?</em> Sie ist wichtig, sehr wichtig. Und nie in ausreichendem Ma&#223;e vorhanden. Nat&#252;rlich ist dabei Organisation alles und nat&#252;rlich sollte man sich immer auf das Wesentliche konzentrieren, sich nicht verzetteln – so lautet der Aspruch der Leistungsgesellschaft. Aber man darf dar&#252;ber auf keinen Fall vergessen, auch mal Dinge auszuprobieren. Sonst k&#246;nnen Sie so effizient arbeiten, wie Sie wollen – Sie bleiben irgendwo auf einem Punkt stehen. Dieses Ausprobieren ist es, was uns voran bringt. Da geh&#246;rt neben dem Zeitnehmen sicher auch Mut dazu – weil es immer leichter ist, auf bekannten, ausgetretenen Pfaden zu gehen. Und sicher holt man sich auch mal einen Nasenst&#252;ber, weil ja auch nicht alles so klappt, wie man sich das von der Idee her vorgestellt hat. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich das Ausprobieren auszahlt. Und deshalb nehme ich mir die Zeit.</p>
<p><em>Haben Sie eigentlich auch mal Zeit in den R&#252;ckspiegel zu schauen?</em> Man muss. Schon allein, um Ergebnisse zu messen, muss man in den R&#252;ckspiegel schauen. Wer sich diese Zeit nicht nimmt, dem hilft der Blick nach vorn bald auch nicht mehr weiter. Das Problem dabei ist, dass man, wenn es einem sehr gut geht, ganz schnell vergessen kann, dass es auch andere Zeiten gibt. Ich bin eigentlich ein Sicherheitsmensch – und deshalb sichere ich Vergangenes auch durch den Blick in den R&#252;ckspiegel ab.</p>
<p><em>Wann treten Sie auf die Bremse?</em> Das kann ich Ihnen noch nicht sagen. Ich habe noch nie eine Bremse getreten – also, im metaphorischen Sinn. Aber es gibt regelm&#228;&#223;ig Zeiten, wo ich langsamer fahre, mich ausklinke, wo ich einfach eine Erholungsphase brauche. Das kann ein Urlaub sein oder einfach ein paar ruhige Stunden daheim. Zum „Ausklinken“ fahren wir gern in Familie an die Mecklenburger Seenplatte. Und f&#252;r die Erholung daheim muss ich eigentlich nur vor die Haust&#252;r treten. Ich war beispielsweise jetzt eine Woche lang jeden Tag joggen im Wald, eine Stunde, ganz in Ruhe. Und dann kommen Ideen. Also man l&#228;uft und l&#228;uft, und dann kommen die Ideen. Und dann mache ich mich ans Ausprobieren.</p>
<p><em>Also sind Sie mit dem Kopf immer bei der Arbeit. Was sagt die Familie dazu?</em> Es hei&#223;t ja so sch&#246;n, man solle sich den Kopf frei machen. Aber warum eigentlich? Wenn ich beim Joggen die besten Ideen habe – warum soll ich mich dann dazu zwingen, lieber &#252;ber gar nichts weiter nachzudenken, als &#252;ber die n&#228;chste Baumwurzel auf meinem Weg. Im Gegenteil: Das strengt an. Das andere, das st&#228;ndige Gedankenmachen, das bringt voran – und ich brauche es. Aber dass ich &#252;ber die Arbeit nachdenke, hei&#223;t ja nicht, dass ich von nichts anderem spreche. Wenn ich nach Hause komme, lege ich den Schalter um und es wird nicht mehr von der Arbeit gesprochen. Ich mache mir nur Gedanken und genie&#223;e ansonsten die Ruhephase – das klappt.</p>
<p><em>Das klingt nach zwei Seelen in einer Brust.</em> Das sind zwei Seelen, die zeitgleich auch miteinander agieren. Gedanklich die Firma und rein &#228;u&#223;erlich die Familie. Nat&#252;rlich &#252;berlegt man manchmal, wie man das alles unter einen Hut kriegen soll. Das sind oft ganz lapidare Sachen – Hausaufgaben machen und das Kind auf seinem Weg, also auf der geraden Bahn halten und gleichzeitig trotzdem dieselben Hundert Prozent auch noch im Betrieb funktionieren. Aber irgendwie klappt es. Und es ist auch nicht so, dass da zwei Seiten an mir zerren und ich quasi auseinander zu brechen drohe. Statt auseinander, zieht mich die Kombination Arbeit plus Familie nach vorn. Ich hole mir in der Familie die Energie, die ich f&#252;r die Arbeit brauche.</p>
<p><em>Wenn es privat stimmt, dann ist auch die Energie dort ganz stark?</em> Ja, aber wenn es dort kriselt und man merkt, man bringt das nicht unter einen Hut, dann fehlt einem auch ein ganzes St&#252;ck Kraft f&#252;r den Betrieb. Ein sch&#246;nes Beispiel: Mein Sohn meinte neulich, einerseits f&#228;nde er meinen Job toll, weil alle sagen seine Eltern seien so erfolgreich. Aber andererseits, sagte er, w&#252;rde er sich auch w&#252;nschen, ein bisschen mehr von mir zu haben. Daf&#252;r haben wir jetzt eine L&#246;sung gefunden: Er kommt oft hier mit her und er unterst&#252;tzt uns auch bei Veranstaltungen. Das ist doch eine ideale Kombination. Ansonsten ist der private Bereich in meinen Augen daf&#252;r da, um sich rundum wohl zu f&#252;hlen.</p>
<p><em>Bedeutet das nicht, dass Sie den Ruhepol, den Sie zu Hause haben, jetzt in diesen Arbeitsstrudel mit hineinziehen?</em> Ich bin eigentlich immer privat. (lacht) Also eigentlich ist das alles ein komplettes Ganzes. Ich glaube, wenn man anf&#228;ngt, das bewusst zu analysieren und Gesch&#228;ft und zu Hause strikt trennt, dann fehlt einem ein klein bisschen Spa&#223; an der Arbeit. Dann f&#228;ngt man schon an, in die Richtung zu gehen, dass man sagt, ich bin genervt, dass ich zw&#246;lf Stunden auf Arbeit bin und wei&#223; nicht, wie ich es so richtig schaffen soll und h&#228;tte auch gerne mal ein bisschen mehr Urlaub. Ich glaube, wenn man anf&#228;ngt so zu denken, dann fehlt irgendwo ein bisschen Spa&#223;.</p>
<p><em>Egal, aus welchem Grund das so ist?</em> Ja, nat&#252;rlich k&#246;nnte man sich auch hinsetzen und sagten: Och, die Wirtschaft, die ist so z&#228;h und das Ganze ist so z&#228;h. Ich habe auch H&#228;ndlerkollegen, die schimpfen – die schimpfen nur. Ich habe noch nie gesehen, dass die mal sagen: „Der Monat war jetzt richtig gut, ich bin eigentlich zufrieden damit.“ Ich brauche den Spa&#223; am Job als Energiefaktor, als Ideenfaktor. Sonst tritt man irgendwo auf der Stelle. Und da ist dann keine Entwicklung mehr da. Und dann arbeitet man zwar, um den Betrieb am Leben und am Laufen zu erhalten. Aber dann bleibt keine Energie und Kreativit&#228;t, um den Betrieb weiter zu entwickeln.</p>
<p><em>Muss der Job zum Lebensinhalt werden, um erfolgreich zu sein?</em> Mit Angestelltenmentalit&#228;t kommt man jedenfalls nicht weiter. Mein pers&#246;nliches Ziel ist, aus dem Ganzen einen Namen zu machen – also aus der Marke. Und nicht nur die Arbeit zu sehen. Sie ist tats&#228;chlich mein Lebensinhalt, das stimmt. Und ich f&#252;hre hier neun Menschen und ich gebe denen irgendwo eine Zukunft und ich gebe denen die M&#246;glichkeit, sich zu entwickeln. So muss es sein, das brauche ich. Und bei sowas k&#246;nnen Sie privat und gesch&#228;ftlich nicht trennen. Das ist ein Ganzes.</p>
<p><em>Richtig Fahrt kann man doch nur aufnehmen, wenn man alleine ist, wenn man Individualist ist. Kann man in der Gemeinschaft noch schnell sein, im Team?</em> Ich muss mit dem Team schnell sein. Und es gibt ja zwei Arten von Individualisten. Es gibt diejenigen, die die zwei Welten haben, also am Tag ihren Job machen und danach der Freizeitmensch sind und es gibt die, die das gerne alles verbinden. Und ich glaube, man hat mehr Spa&#223;, wenn man das in beiden F&#228;llen – im Gesch&#228;ft und privat – mit anderen auslebt. Und ist Erfolg wirklich, dass man viel Geld hat und alleine auf weiter Flur steht? Dass man sagt, ich habe jetzt geschafft, was ich will? Ich habe jetzt meinen Spitzenjob, ich habe meinen Spitzenverdienst? Oder ist es nicht viel befriedigender, wenn da noch jemand mit einem zusammen steht?</p>
<p><em>Leben wir trotzdem in einer Welt voller Individualisten? Sind wir nicht alle Saabfahrer?</em> Ich glaube, es gibt einen gro&#223;en Teil, der seinen Individualismus nicht auslebt, oder es sich nicht getraut, ihn auszuleben. Nehmen wir ein Beispiel aus meinem Gesch&#228;ftsbereich: Es getraut sich zum Beispiel nicht jeder, ein Cabrio zu fahren, also im offenen Zustand. Offen durch die Stadt fahren? Lieber nicht. Ich will nicht gesehen werden. Warum will ich nicht gesehen werden? Ich sage, wenn es Ihnen gut geht, k&#246;nnen Sie das doch auch nach au&#223;en ausstrahlen. Aber es gibt zu viele Neider – da m&#246;chte man keine Missgunst auf sich ziehen. Diese Angst, zu zeigen, mir geht’s gut, ich f&#252;hle mich wohl. Ich behaupte, also &#252;ber die H&#228;lfte der Menschen getraut sich nicht, sich auszuleben. Der Individualist ist in jedem drin, und Sie k&#246;nnen ihn auch anregen, raus zu kommen. Aber ich glaube, viele verstecken sich in einer H&#252;lle. Dasselbe trifft zum Beispiel zu, wenn jemand sagt: „Ich m&#246;chte einmal mit einem Gleitschirm fliegen.“ oder „Ich m&#246;chte einmal Bungee-Jumping machen.“ – Aber selbst wenn er mal die Gelegenheit dazu hat: Er macht es letztendlich nie.</p>
<p>Fortsetzung folgt&#8230;</p>

<p>Quelle: <a target="blank" href="http://www.100visions.de">100visions.de</a> [All rights reserved]</p>
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		<title>Eric Malitzke: &#8220;Wir werden irgendwann den Luxus nicht mehr erkennen&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Mar 2008 19:33:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mobilität]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Malitzke » Flughafen Leipzig/Halle]]></category>

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Eric Malitzke ist mit erst 34 Jahren der j&#252;ngste Flughafenchef Deutschlands und bringt als Gesch&#228;ftsf&#252;hrer frischen Wind in den Airport Leipzig/Halle. Der geb&#252;rtige Frankfurter spricht in einem ausf&#252;hrlichen Interview mit Kay A. Sch&#246;newerk und Annegret Freitag &#252;ber modernes Nomadentum, das Mobilit&#228;tsverst&#228;ndnis von Comicfiguren und die zuk&#252;nftigen Auswirkungen chinesischer Reisep&#228;sse. Der 
Herr Malitzke, mit welchem Verkehrsmittel [...]]]></description>
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<p><img src="http://www.100visions.de/wp-content/uploads/2008/03/sshot-862a.jpg" alt="sshot-862a.jpg" /></p>
<p><strong>Eric Malitzke</strong> ist mit erst 34 Jahren der j&#252;ngste Flughafenchef Deutschlands und bringt als Gesch&#228;ftsf&#252;hrer frischen Wind in den Airport Leipzig/Halle. Der geb&#252;rtige Frankfurter spricht in einem ausf&#252;hrlichen Interview mit <a href="http://www.xing.com/profile/KayA_Schoenewerk" target="_blank">Kay A. Sch&#246;newerk</a> und <a href="http://www.xing.com/profile/AnnegretJ_Freitag" target="_blank">Annegret Freitag</a> &#252;ber <em>modernes Nomadentum</em>, das <em>Mobilit&#228;tsverst&#228;ndnis von Comicfiguren</em> und die zuk&#252;nftigen <em>Auswirkungen chinesischer Reisep&#228;sse</em>. Der <span id="more-21"></span></p>
<p><em>Herr Malitzke, mit welchem Verkehrsmittel sind Sie heute zum Interview gekommen?</em> Nur mein Auto.</p>
<p><em>Bewegen Sie sich generell lieber zu ebener Erde fort – oder in der Luft?</em> Ich bin ein Flugzeugnarr. Die Materie interessiert mich und fasziniert mich. Ich mag die Vorstellung, in einer Metallr&#246;hre zu sitzen und mit fast tausend Kilometern pro Stunde durch die Luft geschossen zu werden. Ich k&#246;nnte mich auch f&#252;r nichts anderes begeistern als f&#252;r Flugzeuge, Autos, Schiffe und vielleicht noch die Bahn. Die Faszination – gerade beim Flugzeug – ist so unheimlich gro&#223;.</p>
<p><em>Macht Ihnen die immer st&#228;rker werdende Abh&#228;ngigkeit von Technik Angst?</em> Es ist wie im Stra&#223;enverkehr: Die Hauptfehlerquelle ist der Mensch, nicht die Technik. Im Auto haben die Menschen das subjektive Empfinden, dass sie die Technik unter Kontrolle h&#228;tten. Was ja durch Bedienen von Gaspedal und Bremse durchaus der Wahrheit entspricht. Aber tats&#228;chlich bin ich von so vielen anderen Verkehrsteilnehmern abh&#228;ngig. Die gr&#246;&#223;te Gefahr beim Fliegen ist der Weg mit dem Auto zum Flughafen. Das Flugzeug ist und bleibt das sicherste Verkehrsmittel.</p>
<p><em>Gab es schon mal einen Zeitpunkt, an dem Sie nicht wussten, in welcher Stadt Sie gerade waren? </em>In einem fr&#252;heren Job ist mir das passiert. Da war ich so viel unterwegs, dass ich teilweise gar nicht mehr wusste, in welcher Zeitzone ich gerade war.</p>
<p><em>Sind die Menschen daf&#252;r geschaffen, zuk&#252;nftig wie moderne Nomaden zu leben, st&#228;ndig mobil sein zu m&#252;ssen?</em> Es gibt keine starre Festlegung, was dem Menschen liegt oder nicht. Wir zeichnen uns dadurch aus, dass wir anpassungsf&#228;hig sind. Denken Sie mal daran, in welchen Dimensionen es in den 50er Jahren pl&#246;tzlich die Fliegerei der Menschheit erm&#246;glicht hat, andere Kulturen kennen zu lernen. Es war pl&#246;tzlich nicht mehr lebensgef&#228;hrlich, nach S&#252;damerika zu reisen. Es ist eine ungeheure Faszination, sich neben den eigenen Mikrokosmos zu stellen – wenn man 2.000 Kilometer weit weg ist.</p>
<p><em>Wie wichtig sind heute pers&#246;nliche Wurzeln f&#252;r Sie?</em> Wir brauchen eine starke Verwurzelung, um die Entwicklungen auszuhalten. Das trifft weniger auf jemanden wie mich zu, der keine famili&#228;ren Verpflichtungen hat und viel unterwegs ist. Der typische Handelsreisende aber, oder der, der aus beruflichen Gr&#252;nden gezwungen ist, seinen Lebensmittelpunkt oft zu verlagern, f&#252;r den sind Wurzeln wichtig. Das ist ein qualitativer Unterschied. Die Notwendigkeit, flexibel, anpassungsf&#228;hig, zu jeder Zeit verst&#228;ndnisvoll, Familienvater zu sein und sein Wertesystem st&#228;ndig weiter zu pr&#228;gen. Da sind Wurzeln ein entscheidender Punkt, ohne die geht es nicht.</p>
<p><em>Ist das eine Frage der Geographie?</em> Ich bin der &#220;berzeugung, dass die Familie Hauptbestandteil bleibt – sie ist das Zuhause. Ich komme aus Frankfurt, lebe seit &#252;ber zwei Jahren hier, bin ein stolzer und begeisterter Neu-Leipziger – aber ich habe Freunde im Rhein-Main-Gebiet. Und manchmal auch Heimweh. Nach Menschen so wie auch nach bestimmten &#246;rtlichen Gegebenheiten.</p>
<p><em>Wachsen Ihre Wurzeln jetzt auch in den Leipziger Boden?</em> Es ist ein gutes Gef&#252;hl, sich eine zweite Heimat zu erkunden. Hier ist es sch&#246;n, also wurzele ich auch hier.</p>
<p><em>Egal ob in Leipzig oder in Frankfurt: Die Treib-stoffpreise wachsen gerade ins Unermessliche. Bedeutet Mobilit&#228;t zuk&#252;nftig noch Freiheit?</em> Die Mobilit&#228;t wird ihren Weg finden, weil eben auf Grund unserer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Struktur dies nicht nur eine Preisfrage ist. Das w&#252;rde das weltwirtschaftliche &#246;konomische Prinzip ins Wanken bringen. Deshalb wird es nur eine M&#246;glichkeit geben. Und wenn der Leidensdruck gro&#223; genug ist, dann wird irgendwann der Wandel im Bereich der Energietr&#228;ger kommen. Die Mobilit&#228;t wird durch den Kostenfaktor nie eingeschr&#228;nkt werden.</p>
<p><em>Achten Sie auch im privaten Umfeld auf die Umwelt?</em> Mein Auto ist ein Diesel, der – trotz aller Ru&#223;partikeldiskussionen – zumindest sparsam mit Erd&#246;l umgeht. Ich fahre auch viel Fahrrad. Aber leider gibt es in der Stadt kaum Orte, wo man es stehen lassen kann. Sonst brauchen Sie schnell ein neues.</p>
<p><em>Wie stehen Sie zu &#214;kosteuern?</em> Das Problem &#214;kosteuer ist kein Grundsatzproblem, sondern ein Budgetproblem. Welchem Haushaltstitel ich eine Einnahmeseite als Staat gebe, ist doch heute fast unerheblich. Mit einer &#214;kosteuer wird nicht zweckgebunden etwas f&#252;r die Natur getan, sondern sie wird beispielsweise f&#252;rs Sozialsystem genutzt. Wie der Titel der jeweiligen Steuer ist, ist damit eigentlich egal. Sicher gilt f&#252;r alle Steuern, dass sie f&#252;r bestimmte Branchen oder Industriezweige oder Dienstleistungszweige im internationalen Vergleich zus&#228;tzlich das &#220;berleben im internationalen Wettbewerb schwer macht. Wir werden uns mehr mit der Ausgabenseite des Staates besch&#228;ftigen m&#252;ssen, weil Sie auch als Unternehmer die Verkaufspreise nicht ins Unermessliche treiben k&#246;nnen, um ihren Betrieb doch noch kostendeckend zu fahren. Irgendwann m&#252;ssen Sie sich etwas anderes &#252;berlegen. Sie k&#246;nnen bei der demographischen Entwicklung auch nicht die anfallenden Fixkosten auf immer weniger Produkte verteilen.</p>
<p><em>Wir leben im Zeitalter der Individualisierung, wie schl&#228;gt sich das auf die Mobilit&#228;t in unserer Zunkunft nieder? </em>Mobilit&#228;t erm&#246;glicht diese Individualisierung zu einem gro&#223;en Teil. Das weiss jeder, der mit 18 sein erstes Auto mit dem Schl&#252;ssel aufschlie&#223;t, sich reinsetzt und pl&#246;tzlich merkt, wie er selbst bestimmen kann, wann er von A nach B reist. Zu jeder Uhrzeit fahren, ohne nass zu werden. Das betrifft alle Verkehrsmittel und tr&#228;gt zur Individualisierung der Pers&#246;nlichkeit erheblich bei.</p>
<p><em>Ein sicherer Trend der Zukunft ist auch das steigende Durchschnittsalter. Was hat das f&#252;r Folgen f&#252;r das Reisen?</em> Die Lebenserwartung nimmt tendenziell immer weiter zu, was vielleicht auch irgendwann zu einer ethischen Diskussion f&#252;hren k&#246;nnte, ob es &#252;berhaupt w&#252;nschenswert ist. Die Lebenserwartung wird h&#246;her, das zur Verf&#252;gung stehende Einkommen scheint zumindestens im Moment noch halbwegs stabil zu sein, und ich glaube, dass die Menschen nach dem Lebensabschnitt Arbeit nat&#252;rlich mit ihrem Leben noch etwas anfangen wollen. Reisen ist durch die angesprochene Individualisierung und das Massenangebot sehr g&#252;nstig geworden. So glaube ich schon, dass Menschen, die vital in den Ruhestand gehen, verst&#228;rkt reisen werden. Dabei wird f&#252;r diese Zielgruppe auch der Aspekt der Bequemlichkeit eine gro&#223;e Rolle spielen, eben weil sie in dem hohen Alter schlecht mit Rucksack und Fahrrad unterwegs sein k&#246;nnen. Sie wollen mehr Service haben, einen Service, bei dem Sie von zu Hause die Koffer abgeholt und im Urlaubshotelzimmer angeliefert bekommen. Deshalb wird sich die Reisewelt mit bestimmten Produkten darauf einstellen m&#252;ssen.</p>
<p><em>Verlieren wir durch die gestiegene Mobilit&#228;t den Respekt vor anderen L&#228;ndern?</em> Der Aspekt, eine andere Kultur kennen zu lernen, ist schon seit Jahrzehnten in den Hintergrund getreten. Wenn Sie in das eine oder andere gro&#223;e Hotel gehen, vielleicht noch in ein durch deutsche Reisende hoch frequentiertes Gebiet, dann stellen Sie fest, dass so viel wie m&#246;glich den heimischen Zust&#228;nden angepasst ist. Nur mit dem Unterschied, das die Sonnenscheindauer pro Tag eine andere ist.</p>
<p><em>Das reicht den Menschen?</em> Es gibt viele, denen das mehr als genug ist.</p>
<p><em>Werden die Menschen mit zunehmender Mobilit&#228;t oberfl&#228;chlicher?</em> Wir werden irgendwann diesen Luxus, Fremdes zu erleben, nicht mehr als solchen erkennen. Andererseits werden die Eindr&#252;cke, die wir durch das Reisen sam-meln, vielf&#228;ltiger werden. Dies wird hoffentlich zur Umkehrung vom Oberfl&#228;chlichen ins Tiefgr&#252;ndige f&#252;hren. Wir erfahren Zusammenh&#228;nge, die meist nicht nur auf ein Staatsgebiet begrenzt, sondern mindestens von europ&#228;ischer Geltung sind. Das pr&#228;gt im positiven Sinne und man kann sich dadurch vielleicht &#252;ber das eine oder andere ein anderes Bild machen. Sich dessen bewusst zu sein, was das f&#252;r ein Luxus ist, wird sp&#228;testens nach der ersten oder zweiten Reise in den Hintergrund treten und aus dem Bewusstsein.</p>
<p><em>Wenn Sie Kinder h&#228;tten, wie w&#252;rden Sie diese in Richtung Mobilit&#228;t erziehen?</em> <em>M&#252;ssten die mit dem Fahrrad zur Schule fahren oder werden die mit dem Auto gebracht? </em>Da f&#228;llt mir ein wundersch&#246;ner Comic ein „Calvin and Hobbs“. Irgendwann sagt Calvin, ein kleiner Junge, zu seiner Mutter, er w&#252;rde gerne zu seinem Freund, sie soll ihn mal bitte hinkutschieren. Da guckt sie ihn an und sagt, der wohnt zwei Blocks weiter, wozu hat Gott die F&#252;&#223;e gemacht. Und da zuckt er mit den Schultern und sagt: „To work the gas pedal“. Ich finde, es ist nicht nur wichtig bei dem Thema Mobilit&#228;t, dass die Kids kennen lernen, was auch das echte Leben ist. Ich glaube, in dem Moment, wo man Kinder hat, muss man bestimmte Selbstverst&#228;ndlichkeiten auch wieder zur&#252;ckschrauben, um den Kindern mal was anderes zu zeigen. Und zur Schule zu laufen oder mit dem Fahrrad zu fahren, w&#252;rde ich in diesem Zusammenhang f&#252;r eine ganz wichtige Sache halten.</p>
<p><em>W&#252;rde eine Familiengr&#252;ndung Ihre Mobilit&#228;t einschr&#228;nken – weil man sesshaft wird?</em> Die Spontanit&#228;t vielleicht, nicht die Mobilit&#228;t. Die Planung wird wahrscheinlich dann eine Men-ge an Zeit mehr ben&#246;tigen und insoweit f&#228;llt vielleicht ein Anteil spontaner Aktionen dann weg.</p>
<p><em>Wie wird sich die Mobilit&#228;t im globalen Rahmen zuk&#252;nftig entwickeln?</em> Die Neugier des Menschen ist unersch&#246;pflich. Und Mobilit&#228;t ist ein gro&#223;er Bestandteil unserer Kultur, das wird auch in den n&#228;chsten Jahren zunehmen. Und es werden immer mehr Menschen unterwegs sein. Malen Sie sich nur mal aus, was passiert, wenn Milliarden Chinesen einen Rei-sepass bekommen und anfangen, ihrerseits in die Welt zu reisen. Oder ein Gro&#223;teil der Chinesen wird sicher ein Auto besitzen wollen – dann wird die Frage Mobilit&#228;t und Umwelt-schutz zu einem dr&#228;ngenden Thema werden. Da muss meines Erachtens in Zukunft sicher umgedacht werden.</p>
<p><em>Wie reisen Sie pers&#246;nlich?</em> Ich reise am liebsten ganz individuell. Vor wenigen Wochen bin ich zum ersten Mal in meinem Leben nach Mallorca geflogen – und bin dort mit meinem Mountainbike und einem Rucksack eine Woche durchs Gebirge gefahren. Das war wundersch&#246;n.</p>
<p><em>Wo m&#246;chten Sie Ihren Lebensabend verbringen?</em> Was ich mir vorstellen k&#246;nnte, w&#228;re zwischen Norditalien, S&#252;dfrankreich und Spanien – ein kleines Landhaus mit Olivenzucht.</p>
<p><em>Herr Malitzke, vielen Dank f&#252;r das Gespr&#228;ch.</em></p>
<p><font color="#ffffff">. </font></p>
<p>Interview: <em>Kay A. Sch&#246;newerk, Annegret Freitag (<a href="http://www.4imedia.com/" target="_blank">Agentur</a> 4iMEDIA; <a href="http://jamandchips.de/" target="_blank">Redaktion</a> J&amp;C);<br />
</em> Fotos: <em>Jeibmann Photographik / Vivendi 2007</em></p>

<p>Quelle: <a target="blank" href="http://www.100visions.de">100visions.de</a> [All rights reserved]</p>
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