Steffen Kirchner: “Veränderungen erreichen durch Inspiration, nicht primär Information”
Menschen begeistern, motivieren, trainieren – das hat er sich auf die Fahnen geschrieben. Steffen Kirchner ist Mentaltrainer, Buchautor und Referent, hat Sportmanagement und Betriebswirtschaft studiert. Heute gibt er sein Wissen und seine Erfahrungen als Motivationstrainer in Bildung und Wirtschaft weiter. Im Interview verrät er, was in punkto Motivation aus dem Sport gelernt werden kann, was das Spannende an seiner Tätigkeit ist und wie er sich selbst – zum Beispiel an verregneten Herbsttagen – motiviert.

Herr Kirchner, Sie sind Mental- und Motivationstrainer. Was ist das Spannende an Ihrem Job – in einem Satz?
Das Spannende ist, Menschen zu zeigen, wie sie ihre inneren Potentiale erkennen und maximal ausschöpfen können, um persönliche Spitzenleistungen zu erreichen.
Sie bezeichnen sich selbst als den „Experten für Gewinner-Mentalität“. Als Mental-Coach bieten sie Persönlichkeitsentwicklung auf höchstem Niveau. Was heißt das genau? Wie können wir uns Ihre Arbeit vorstellen?
Ich arbeite mit Menschen in Unternehmen, Verbänden, Schulen und aus dem Leistungssport in einem Bereich, der oftmals in unserer materiellen Gesellschaft sehr unterschätzt wird. Es geht um die persönliche Einstellung und eine mentale Stärke, die man nicht nur im Sport braucht, um erfolgreich sein zu können. Menschen in allen Lebensbereichen und Branchen können lernen, sich selbst innerlich wieder auf Erfolg auszurichten, denn Erfolg ist kein Zufall, sondern lediglich das Befolgen von ein paar Spielregeln. Hier kann man vom Profisport sehr viel und anschaulich lernen. Eine Erfolgspersönlichkeit ist für mich wie ein Mosaik, das sich aus verschiedenen Teilen zusammensetzt. Der zentrale und wichtigste Baustein ist hierbei die persönliche Einstellung und der mentale Aspekt, da hiervon alles andere abhängt. Stellen Sie sich einen Sportler vor, der enorm viel Krafttraining absolviert, um seinen Körper zu stählen. Wenn ihm aber in der entscheidenden Phase die nötige Motivation fehlt, kann sich kein Erfolg einstellen. Doch genau auch solche geistigen Fähigkeiten sind trainierbar.
Sie sagen, dass sie mit ihrem Programm nachhaltige Persönlichkeitsentwicklung bieten. Wie schaffen sie das? Menschen eine neue Denke beizubringen, schafft man doch eigentlich nicht mit nur einem Vortrag. Wo liegt ihr ganz persönliches Erfolgsgeheimnis?
Grundsätzlich biete ich nicht nur Vorträge, sondern auch Workshops, Seminare und persönliche Coachings an, in denen man gezielter und individueller mit den Menschen arbeiten kann, um Veränderungen herbeizuführen. Doch die Erfahrung zeigt, dass dies auch durchaus oft auch schon durch meine Impulsvorträge gelingt. Eines muss man sich dabei klar machen: Nachhaltige Veränderungen erreicht man nicht mit der primären Vermittlung von Information, sondern von Inspiration. Wenn man es schafft, in Menschen eine Emotion zu erzeugen, werden sie zum Handeln animiert. Das ist die beste Grundlage für nachhaltige Veränderungen.
In ihrer jetzigen Tätigkeit verknüpfen sie besonders gern Sport und Wirtschaft miteinander, indem Sie mit Profisportlern, Mitarbeitern und Führungskräften zusammenarbeiten. Wo sehen sie da Gemeinsamkeiten?
Aus meiner eigenen früheren beruflichen Erfahrung weiß ich, was man braucht, um im Sport erfolgreich sein zu können. Die Gesetzmäßigkeiten für Erfolg im Sport sind allerdings auch übertragbar auf die Situationen in z.B. Wirtschaftsunternehmen oder auch in Schulen. Im Grunde geht es immer darum, einen Weg bzw. eine Position für sich selbst zu finden, die sich allerdings in Einklang mit etwas größerem, beispielsweise einem Team oder einer Firma, befinden muss. Unabhängig davon bringen auch Mitarbeiter und Führungskräfte in ihrem Bereich Höchstleistungen, wenn auch nicht auf sportlicher Ebene. Doch auch hier geht es darum, bei jedem Menschen die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass er seine Leistungspotentiale maximal fördern und entfalten kann.
Sie betreuen auch Jugendliche, helfen ihnen dabei, sich ihrer Ziele bewusst werden. Was ist die Herausforderung insbesondere an diesem Teil Ihrer Arbeit?
Oftmals halte ich Motivationsvorträge an Schulen. Die Herausforderung speziell bei jungen Menschen liegt für mich nicht darin, diese zwingend motivieren zu müssen. Meiner Ansicht nach gibt es keine Null-Bock-Generation. Jugendliche sind nach meiner jahrelangen praktischen Erfahrung durchaus so begeisterungsfähig wie eh und je. An was es allerdings eklatant mangelt, ist Orientierung, was übrigens ein generelles gesellschaftliches Problem ist. Aufgrund des Mangels an klaren Visionen und Vorstellungen, wohin das eigene Leben führen soll, resultiert Antriebslosigkeit. Auch an Selbstbewusstsein und Teamfähigkeit fehlt es bei vielen Teenagern. Meine Impulsvorträge sind für die Schüler ein emotionales Highlight, da sie zwei Stunden lang zahlreiche neue Denkimpulse erhalten, die unterhaltsam verpackt sind und so manche Ideen für Antworten auf Fragen bereithalten, die sie sich schon seit Jahren stellen. In hunderten von Feedbackbögen hat sich dies immer wieder bestätigt. Auch wenn es manchmal nicht so aussieht, aber Jugendliche suchen bewusst oder unbewusst enorm nach Orientierung für Erfolg im Leben. Hierbei kann ich ihnen viel Unterstützung bieten, ohne jemanden motivieren zu müssen. Denn das Schöne ist ja: Sobald jemand seine Vision und seine Ziele im Leben erkannt und verinnerlicht hat, ist er automatisch selbst motiviert.
Wie wichtig ist bei dem Blick in die Zukunft die Auseinandersetzung mit der Geschichte Ihrer Kunden? Wovon hängt ab, wie erfolgreiche eine „Gewinner-Mentalität“ vermittelt werden kann?
Im Grunde hängt der Erfolg der Zukunft zu einem hohen Maße davon ab, wie viel man aus der Geschichte gelernt hat und wie gut man mit ihr abschließen kann. Aus diesem Grunde beschäftige ich mich nicht mehr als unbedingt nötig mit der Vergangenheit meiner Kunden, sondern richte den Fokus sofort auf die Gegenwart und die Zukunft. Wenn ich beispielsweise mit Leistungssportlern arbeite, die unter Angstblockaden aufgrund von Versagensängsten oder z.B. früheren Stürzen bzw. Unfällen leiden, so verwende ich maximal 30 Prozent mit der Aufarbeitung der Geschichte und investiere 70 Prozent meiner Zeit und Energie in die neue Ausrichtung für Zukunft und vor allem Gegenwart. Wie gut ein Kunde am Ende des Coaching-Prozesses die neue „Gewinner-Mentalität“ in sein Innerstes integriert hat, liegt überwiegend natürlich an ihm selbst, das heißt, an seiner Bereitschaft, neue Erfahrungen zu machen und über die eigenen Grenzen zu gehen.
Welche Menschen kommen hauptsächlich zu Ihnen? Und mit welchen Problemen?
In erster Linie bediene ich als Redner und Trainer ein größeres Publikum oder Teams in meinen Vorträgen und Seminaren. Zu Einzelcoachings kommen hauptsächlich natürlich Leistungssportler, mit denen natürlich primär individuell gearbeitet werden muss, um nachhaltige Effekte zu erzielen. Hier geht es hauptsächlich um eine mentale Wettkampfvorbereitung, den Aufbau von Ritualen, Formen des Stressabbaus oder die Auflösung von Angst- sowie Leistungsblockaden.
Aber auch Anfragen von Unternehmern und Führungskräften kommen immer wieder bei mir an, bei denen es in den meisten Fällen um eine Form des Burnout-Syndroms geht. Das Gleiche gilt allerdings auch für normale Privatpersonen, die sich zwar vielleicht auch aus finanziellen Gründen nicht so häufig coachen lassen, aber im Grunde die gleichen Probleme haben. Es geht immer um mangelnde Motivation und Orientierung im Leben, fehlendes Selbstbewusstsein, Konflikte mit Mitmenschen und fehlende Lebensfreude. Es ist schon paradox – wir leben in einer Welt in der wir materiell immer mehr zu haben scheinen und doch fühlen sich die Leute innerlich immer leerer. Ich denke hier kann ich als Coach in relativ kurzer Zeit sehr viel bewirken.
Wie motivieren sie sich eigentlich selbst – zum Beispiel an einem verregneten und grauen Herbsttag?
Wissen Sie, entscheidend ist nicht, was draußen passiert, ob es regnet oder schneit. Wenn Sie den ganzen Tag einer Tätigkeit nachgehen können, die Sie von ganzem Herzen lieben und die Sie total begeistert, dann scheint in Ihnen selbst immer die Sonne. Der wahren persönlichen Berufung nachzugehen ist die beste Form der Eigenmotivation. Und das tue ich und kann jedem nur das Gleiche empfehlen.
Vielen Dank für das Gespräch!
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